{"id":198,"date":"2022-01-08T16:47:24","date_gmt":"2022-01-08T16:47:24","guid":{"rendered":"http:\/\/pulpscience.de\/?p=198"},"modified":"2022-04-29T22:50:06","modified_gmt":"2022-04-29T21:50:06","slug":"selfishness-is-in-your-dna","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pulpscience.de\/de\/2022\/01\/08\/selfishness-is-in-your-dna\/","title":{"rendered":"Egoismus liegt in deiner DNA"},"content":{"rendered":"<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"734\" src=\"https:\/\/pulpscience.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Untitled_Artwork4-e1651265639700-1024x734.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-430\" srcset=\"https:\/\/pulpscience.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Untitled_Artwork4-e1651265639700-1024x734.png 1024w, https:\/\/pulpscience.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Untitled_Artwork4-e1651265639700-300x215.png 300w, https:\/\/pulpscience.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Untitled_Artwork4-e1651265639700-768x551.png 768w, https:\/\/pulpscience.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Untitled_Artwork4-e1651265639700-1536x1101.png 1536w, https:\/\/pulpscience.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Untitled_Artwork4-e1651265639700-18x12.png 18w, https:\/\/pulpscience.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Untitled_Artwork4-e1651265639700-1200x860.png 1200w, https:\/\/pulpscience.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Untitled_Artwork4-e1651265639700.png 1921w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Als ich mich vor ein paar Jahren auf mein zuk\u00fcnftiges Bachelorarbeitsprojekt vorbereitete, fiel mir in einem Text ein Term auf, den ich noch nie gesehen hatte: 'eigenn\u00fctzige DNA'. Wir Menschen sind offensichtlich unschlagbar, wenn es darum geht, menschliche Attribute auf andere Dinge zu \u00fcbertragen. M\u00e4rchen sind das beste Beispiel daf\u00fcr. Nur dort findet man den 'b\u00f6sen' Wolf, die 'weise' Eule, oder das 'treue' Ross auf einem Haufen. Wenn man es sich genau \u00fcberlegt, stellt sich die Realit\u00e4t aber wohl anders dar, denn der Wolf besorgt sich lediglich etwas zu fressen, die Eule sucht vermutlich einfach etwas zu fressen und das Ross ist schlau genug, um zu wissen, wer sich um sein Fressen k\u00fcmmert. Tats\u00e4chlich ist das, was sie tun weder 'b\u00f6se', noch 'weise' oder 'treu' - vielmehr funktioniert es einfach, weil sie weiterhin 'sind'.<\/p>\n\n\n\n<p>Woran liegt es also, dass wir nun Eigenn\u00fctzigkeit in etwas so leblosem wie DNA sehen? Die haupts\u00e4chliche Aufgabe von DNA ist es, Information aufzubewahren und bei Bedarf wiederzugeben. Sie besteht aus den vier Basen Adenin, Thymin, Guanin und Cytosin, oder in kurz A, T, G und C. In der richtigen Reihenfolge aneinandergereiht ergeben (auf Schlau w\u00fcrde man 'kodieren' sagen) diese Basen n\u00fctzliche Information. Die bekanntesten Beispiele daf\u00fcr sind Proteine, die anschlie\u00dfend arbitr\u00e4re Aufgaben in der Zelle \u00fcbernehmen. Falls man diese Proteine als Befehle betrachten wollte, so m\u00fcssten manche \"Die Zelle bewegen!\", andere sollten \"Mit der Nachbarzelle kommunizieren!\" und wiederum weitere w\u00fcrden \"Diese fremdartigen Molek\u00fcle zerst\u00f6ren!\". \u00dcber dieses Prinzip (und viel mehr weiteren Dingen, von denen ich nichts verstehe) werden du und ich am Leben gehalten. So k\u00f6nnen wir weiter denken, lesen, schreiben, essen - naja, weiter 'sein'. <\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt Proteine (\"Befehle\") f\u00fcr so ziemlich alles in der Zelle und alle basieren auf der jeweiligen Sequenz der Basen A, T, G und C in der DNA. Nun ist bekannt, dass DNA mutieren kann, wodurch eine Base durch eine andere ausgetauscht wird. Weiterhin ist bekannt, dass DNA im Rahmen der Reproduktion vermischt und neu zusammengesetzt wird. Was w\u00e4re also, wenn urpl\u00f6tzlich eine DNA-Sequenz den Befehl \"Kopiere und f\u00fcge mich woanders in der DNA wieder ein!\" geben w\u00fcrde? Was w\u00e4re, wenn eine DNA-Sequenz entst\u00fcnde, die f\u00fcr ein Protein kodiert, das seinen eigenen Code repliziert und zuf\u00e4llig irgendwo anders in der DNA neu einbaut? Einen Augenblick mal: Jetzt gerade haben wir zwei Kopien davon. Sobald die sich verdoppeln haben wir vier, dann acht und bevor ich mich versehe, werde ich vor lauter Egoismus platzen! Nun, sehen wir es mal so: es gibt einen guten Grund daf\u00fcr, dass der erdr\u00fcckende Gro\u00dfteil unserer DNA auch platt \"Schrott-DNA\" genannt wird, da er keinen ersichtlichen Grund f\u00fcr unser \u00dcberleben hat. Unser genetischer Bauplan ist voller molekularem Puffermaterial, das ungef\u00e4hr so aktiv ist, wie eine Stadt um 7 Uhr fr\u00fch am Neujahrsmorgen. Gleichzeitig muss die Zelle diese F\u00fclle an Nichts aber bei jeder Teilung mit duplizieren, was Unmengen an Energie kostet. Gl\u00fccklicherweise gibt es die Evolution und unsere Zellen haben schon lange Verteidigungsmechanismen in der Form weiterer Proteine entwickelt, die solche selbstreplizierenden Elemente erkennen und deaktivieren. <\/p>\n\n\n\n<p>Deine zellul\u00e4ren Mechanismen sind aber nicht der einzige Grund daf\u00fcr, dass deine DNA nicht komplett dem Eigennutz verf\u00e4llt. Falls diese genetischen Parasiten ihren Wirtsorganismus n\u00e4mlich zu sehr belasten w\u00fcrden, w\u00fcrde dieser schlicht aussterben, weil er in Darwins ber\u00fchmtem \"Kampf ums Dasein\" nicht bestehen k\u00f6nnte. Diese Tatsache wirft uns das Wort 'Evolution' f\u00f6rmlich an die R\u00fcbe. Denn sobald der Wirtsorganismus ausstirbt, vergeht auch die eigenn\u00fctzige DNA, die das Aussterben selbst verantwortet hat. Wahrscheinlich ist das sogar unz\u00e4hlige Male passiert und wird immer weiter passieren. Allerdings k\u00f6nnen wir nur diejenigen genetischen Parasiten \u00fcberhaupt entdecken, die gerade so die zellul\u00e4re Abwehr \u00fcberlisten, aber gleichzeitig dem Wirt nicht so sehr schaden, dass er sie mit in die Bedeutungslosigkeit rei\u00dft. Dar\u00fcber hinaus ist das zuf\u00e4llige Einf\u00fcgen eigenn\u00fctziger Elemente in einer Art vermutlich selbst ein Antrieb der Evolution, da alte Gene zerst\u00f6rt werden und neue entstehen k\u00f6nnen. All das demonstriert uns eindrucksvoll, dass die Evolution keine triviale Spielregel ist, an die sich Tiere und Pflanzen zu halten haben. Evolution ist das Konzept, das alles beeinflusst und \u00fcberhaupt hervorbringt, was sich ver\u00e4ndern und mehr von sich selbst machen kann. Das reicht in der Tat von komplexen Organismen, wie Tieren und Pflanzen, \u00fcber Viren, die wir noch nicht einmal als lebendig betrachten w\u00fcrden, bis hin zu einfachen Molek\u00fclen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ist deine DNA also eigenn\u00fctzig? Und macht dich das ferner zu einem egoistischen Menschen? Nat\u00fcrlich nicht! Wie immer sind wir Menschen nur unerreicht darin, unser Denken dem Universum aufzuzwingen. DNA denkt im Traum nicht daran, anderen Organismen zu schaden und denkt auch nicht nur an sich selbst - sie denkt gar nicht. Genauso ist auch ein Virus nicht b\u00f6se, weil er einen Organismus infiziert und repliziert wird - Viren haben ungef\u00e4hr so viel mentale Kapazit\u00e4t und ethischen Sinn, wie die Staubk\u00f6rner auf deinem Monitor. Irgendwann in der Geschichte des Lebens auf der Erde sind sowohl eigenn\u00fctzige DNA, als auch Viren schlicht aufgrund von ein paar zuf\u00e4lligen Mutationen (und einer Unmenge an weiteren Dingen hinter der Kulisse) entstanden und haben im Sinne der Evolution eben funktioniert. Nein, deine DNA ist nicht eigenn\u00fctzig. Sie f\u00e4hrt einfach nur fort, zu 'sein'.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>A couple of years ago, while preparing for my prospective Bachelor thesis project, a term caught my eye that I had never read before: &#8216;selfish DNA&#8217;. We humans are really good at ascribing human attributes to other things, aren&#8217;t we? Fairy tales are the best demonstration of this. There you can find the &#8216;bad&#8217; wolf, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":430,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[29,6,30],"class_list":["post-198","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-biology","tag-dna","tag-evolution","tag-viruses"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/pulpscience.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/198","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/pulpscience.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/pulpscience.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pulpscience.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pulpscience.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=198"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/pulpscience.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/198\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":433,"href":"https:\/\/pulpscience.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/198\/revisions\/433"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pulpscience.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/430"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/pulpscience.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=198"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/pulpscience.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=198"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/pulpscience.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=198"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}