{"id":445,"date":"2022-06-29T13:20:00","date_gmt":"2022-06-29T12:20:00","guid":{"rendered":"https:\/\/pulpscience.de\/?p=445"},"modified":"2022-07-10T20:18:18","modified_gmt":"2022-07-10T19:18:18","slug":"science-in-suits","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pulpscience.de\/de\/2022\/06\/29\/science-in-suits\/","title":{"rendered":"Anz\u00fcgliche Akademie"},"content":{"rendered":"<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"945\" height=\"705\" src=\"https:\/\/pulpscience.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/science_in_suits.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-517\" srcset=\"https:\/\/pulpscience.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/science_in_suits.png 945w, https:\/\/pulpscience.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/science_in_suits-300x224.png 300w, https:\/\/pulpscience.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/science_in_suits-768x573.png 768w, https:\/\/pulpscience.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/science_in_suits-16x12.png 16w\" sizes=\"auto, (max-width: 945px) 100vw, 945px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Briten sind schon ein feines V\u00f6lkchen... Wie ich darauf komme? Nun, das ist mein Eindruck von den Menschen, die hier am Flughafen London Heathrow um mich herumwuseln. W\u00e4hrend ich hier sitze und beginne, diesen Artikel zu schreiben trifft mich diese Realisierung in post-Brexit Zeiten ganz besonders hart.<\/p>\n\n\n\n<p>(Mensch, die Verbindungszeit ist aber schnell verflogen! Wo ist nochmal mein Gate? Ach ja. Bis gleich...)<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es f\u00fchlt sich schon surreal an, nun doch auf dieser Reise zu sein - eine Reise deren Planung ich vor etwa anderthalb Jahren begann. Man k\u00f6nnte viele Worte dar\u00fcber verlieren, wieso das so lange gedauert hat. Viel wichtiger ist aber der Zweck des ganzen: Ich habe zuletzt mein Masterstudium der Biologie abgeschlossen und bin jetzt auf dem Weg zur Johns Hopkins University in Baltimore, USA, um in einem Projekt \u00fcber Neuroengineering mit einer dortigen Gruppe mitzuwirken. Und wieso? Weil es mich interessiert hat (und, wie wir herausfinden werden, weil ich es konnte).<\/p>\n\n\n\n<p>Eins der tollsten Dinge in der Wissenschaft ist wohl die Breite an M\u00f6glichkeiten, die sich einem \u00f6ffnen k\u00f6nnen. Falls du willst, und genug Gl\u00fcck hast, kannst du eine Menge machen und sehen. Insbesondere Auslandserfahrungen sind ein wichtiger Teil dieser Palette. Schlie\u00dflich ist Forschung ein globales Unterfangen, das Staaten, Kulturen und manchmal sogar Konflikte \u00fcberwindet - im Dienste der Wissenschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>During my Bachelors and Masters time alone, I worked in a group in Germany together with colleagues from Argentina, Mexico, Spain, Indonesia, China, Finland, India, Brazil and the USA. During that time, I reached out to researchers from Japan, Norway, Australia, Scotland, England, the Netherlands and the USA\u2026 most of whom responded. At one point in my Bachelors studies, I attended a workshop in Saudi-Arabia of all places (an event that ought to be discussed separately). Had the Covid-19 pandemic not been a thing, then I probably would have written my Bachelors thesis there, attended a conference in Worcester and studied my Masters in London. Now, I am on a plane to the USA and in October, I will be starting my PhD studies in Scotland. I feel lucky to call people from vastly different places on earth my friends and I am sure that there are a few more to come. Hopefully at least, because according to every lecturer ever, this networking is of utmost importance for every young scientist.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn es also Zeit f\u00fcr mich ist, mein royalblaues Hemd und dar\u00fcber meine schwarze Kabanjacke anzuziehen und zum Flughafen zu sausen, f\u00fchle ich mich privilegiert, irgendwie besonders und als h\u00e4tte ich etwas erreicht. Manchmal erwische ich mich dabei, wie ich es genie\u00dfe den Eindruck einer gesch\u00e4ftigen Gesch\u00e4ftsperson abzugeben, die hastig auf ihre Uhr schaut, um ihren Anschlussflug in Richtung Schlipstr\u00e4gerstadt nicht zu verpassen. Sollte man so etwas genie\u00dfen? Sollte man so etwas tun? Und ist das Wissenschaft?<\/p>\n\n\n\n<p>\"Im Dienste der Wissenschaft\", wird ja immer so sch\u00f6n gesagt. Mir kommt es immer mehr so vor, als k\u00f6nnte man mit dieser Phrase den gr\u00f6\u00dften Quatsch legitimieren. Ein Beispiel: In diesem Moment sind 13 Kilometer Luft und ein paar vorz\u00fcglich fluffige Wolken zwischen meinem Hintern und dem Atlantik, w\u00e4hrend ich zu einem anderen Kontinent fliege. Mein Anteil an ausgesto\u00dfenen CO<sub>2<\/sub> -\u00c4quivalenten durch Hin- und R\u00fcckflug bel\u00e4uft sich auf 2400 kg, wodurch ich 160 % meines j\u00e4hrlichen CO<sub>2<\/sub> -budgets in einem 1.5 \u00b0C Szenario verbrauche (Das gibt zumindest ein Onlinerechner an. Viele verschiedene Faktoren spielen dabei eine Rolle aber unter dem Strich verbrauche ich endliche Ressourcen. In einem Versuch, ein paar der Auswirkungen zu mildern habe ich Geld gespendet, aber dadurch verschwindet das CO<sub>2<\/sub> disappear.). I will then spend three months in the US, conducting research in a discipline that I am not trained in, living from scholarship money, which is partly financed by the government and therewith by the public. In the beginning of the project, I was considering following up with a PhD in that group but by now I have decided that the topic does not captivate me enough to spend years of my life on. Does that not all sound like a huge waste of money and resources?<\/p>\n\n\n\n<p>In vielen Aspekten ist es das. Betrachten wir zun\u00e4chst einmal meinen potentiellen Beitrag zu einer besseren Welt und ich er\u00f6ffne hier mit einer Behauptung: Wissenschaft darf keine Grenzen haben. Es ist im Interesse der Gesellschaft, dass Forschende aus aller Welt vernetzt sind und Wissen, sowie Technologie, austauschen. Das bringt Fortschritt. Mit weniger Vernetzung w\u00e4re der Fortschritt langsamer, ja, fehlende Kommunikation k\u00f6nnte sogar zu Redundanz f\u00fchren, wodurch ebenfalls Geld und Ressourcen verschwendet w\u00fcrden. Vernetzung f\u00f6rdert auch gegenseitige Abh\u00e4ngigkeit und kulturellen Austausch: Attribute, von denen wir momentan mehr brauchen denn je. Nat\u00fcrlich kann Austausch auch online stattfinden und in meinem Fall hat er das auch die ersten drei Monate lang. Allerdings ist virtueller Austausch auf theoretische Anwendungen beschr\u00e4nkt und es ist manchmal auch schwierig im Vorhinein einzusch\u00e4tzen, was aus einer Kooperation entstehen kann. Einige Monate nach meiner Kontaktaufnahme mit der Gruppe aus den USA habe ich einen Gastvortrag \u00fcber den Nutzen von Optogenetik in Neuroengineering geh\u00f6rt - ersteres war eine der Paradedisziplinen meiner vorherigen Arbeitsgruppe!<\/p>\n\n\n\n<p>So, will my flight to the US bring peace to the world and produce the next Nobel price-worthy discovery? No, it will not. In fact, if there are any positive impacts of my travel for society, they are probably negligible in the bigger picture. In the end, I am the one who profits from this project. I get to see a different country and I get to learn new skills, which I might not even need in the future. I wanted to do this because I wanted to get out of my home country again and gather new experiences. Science is a means for me to do this but it is not the only or even most important reason. On top of this, it would be taunting to proclaim that mere scientific interest could enable such a project for anyone. I grew up in an academic household and for my whole life, I enjoyed education in a scientifically renowned country for relatively little money. I am receiving a generous scholarship, which covers all of my finances, enabling me to fully concentrate on my studies. I think I have never faced serious discrimination of any sort in my life, which could have impaired my personal or academic development. In short, there is a myriad of reasons why another person from another background might not have been offered this possibility or might not even have had the option to consider, let alone apply for it.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wissenschaft sollte keine Grenzen kennen - keine staatlichen und keine, die eine Person der anderen aufgrund von Gr\u00fcnden au\u00dferhalb ihrer Kontrolle vorziehen. Leider gibt es diese Grenzen zurzeit und vielleicht wird es sie immer geben. Mir sollte bewusst sein, dass ich auf der beg\u00fcnstigten Seite stehe. Vielleicht bin ich nicht der Grund, aber mit Sicherheit ein Profiteur dieses Systems. Es ist m\u00f6glich, dass dieser Austausch der Welt auch etwas bringt, aber ich bin der Hauptzweck. Ich verliere mich schnell in unrealistischen Idealen, daher sch\u00e4tze ich es wert, ab und zu auf den Boden der Tatsachen zur\u00fcckgeholt zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Lange Zeit habe ich auch dar\u00fcber nachgedacht, ob meine Entschlossenheit, meine Promotion irgendwo, nur nicht in Deutschland zu machen, egoistisch ist. Schlie\u00dflich hat Deutschland bis dato meine ganze Ausbildung bezahlt und kaum bin ich in der Lage, substanziell zur\u00fcckzugeben, haue ich in ein anderes Land ab, weil ich neue Orte sehen und eine aufregende Geschichte schreiben m\u00f6chte. Abermals: Ich denke, dass Wissenschaft von Austausch lebt und finanzielle Verpflichtungen sollten dabei keine Rolle spielen. Aber mal davon abgesehen, dass internationale Erfahrungen ein gern gesehenes Attribut sind, ist mein prim\u00e4rer Drang f\u00fcr diese Entscheidung pers\u00f6nlich. Es st\u00f6rt mich, dass ich das deutsche Bildungssystem unabsichtlich ausnutze. Wie ich in den letzten Monaten herausgefunden habe, ist das deutsche System, verglichen mit anderen L\u00e4ndern, fantastisch. In diesem Falle bevorzuge ich aber bewusst meine pers\u00f6nliche Entwicklung gegen\u00fcber anderen Abw\u00e4gungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich denke, man kann durchaus im Labor Anzug tragen. Es wird nicht viel wissenschaftlicher, als Wissenschaft mit anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu bewissenschaften (...?!). Reisen k\u00f6nnen Teil dieser \u00dcbung sein, wenn das f\u00fcr dich m\u00f6glich ist. Und daher ist es, finde ich, auch in Ordnung diese Erfahrungen zu genie\u00dfen, solange man sich im Klaren dar\u00fcber bleibt, dass man nicht im Urlaub ist. Ich, f\u00fcr meinen Teil, sollte den oben formulierten wissenschaftlichen Geist zu gut wie m\u00f6glich leben. Gleichzeitig sollte ich im Hinterkopf behalten, dass ich das Ziel meines Projektes bin und f\u00fcr mich das meiste daraus machen. Falls ich eines von beiden nicht schaffe, war das ganze wohl doch nur Geld- und Ressourcenverschwendung.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>British people must be some of the nicest around. Wanna know how I know? Well there just happen to be a few of them at London Heathrow airport, where I am sitting as I am beginning to write this article, waiting for my connecting flight to Baltimore. 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